yvonne huggenberger

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thematik

nachklang von raum und licht

wahrnehmung, empfindung für weiss, schwarz und nuancierte zwischentöne - dies ist die ausgangslage für die anhaltende auseinandersetzung und weiterführung der eigenen reduzierten bildsprache, wobei raumerkundungen, raumerweiterungen und licht im besonderen masse wichtig sind.

yvonne huggenberger 2016


"Wir, befasst mit der Sprache, haben erfahren, was Sprachlosigkeit und Stummheit sind – unsre, wenn man so will, reinsten Zustände! –, und sind aus dem Niemandsland wiedergekehrt mit Sprache, die wir fortsetzen werden, solang Leben unsre Fortsetzung ist."
Aus: Ingeborg Bachmann, Musik und Dichtung, 1959

Noch immer ist es ein Weiss, das die jüngsten Bilder der Künstlerin Yvonne Huggenberger bestimmt, nie jedoch aber ist es das Weiss. Es ist ein Weiss mit einer leisen, sich an manchen Stellen der Gemälde stärker verdichtenden Farbigkeit. Im Nebeneinander und Gegenüber der Bilder differenziert das Auge in dem einen Werk einen sanften bläulichen Schimmer, nimmt in einem anderen einen Rosaklang wahr. Stets ist es nur ein leises Vibrieren, eine Ahnung von Farbe. Das Prozesshafte dieser Malerei wird spürbar in subtilster Gestik: Hier verschiebt sich eine Linie, dort treffen zwei Linien aufeinander, darunter Liegendes bleibt immer sichtbar, spürbar, im steten Verbergen wird enthüllt, immer intensiver wird die Leinwand von hinten durchleuchtet, in Schwingungen versetzt.
Diese Variationen von Weiss sind Bild gewordener Ausdruck einer Haltung, die die Malerei Yvonne Huggenbergers immer absoluter bestimmt: völlige Zurücknahme, Verhaltenheit und Stille. Die Bilder der Künstlerin ruhen ganz in sich selbst, sind in sich abgeschlossen und aufgehoben und widersetzen sich der Schrillheit und Hektik der Aussenwelt. Sie gewinnen eine Ausstrahlung über jede zeitliche Festlegung hinaus und lassen damit auch den Betrachtenden grösstmöglichen Freiraum.

Ihre jüngsten Arbeiten setzt sie als neues, zusätzliches Medium die Fotografie ein, was eine massgebliche Änderung ihrer Arbeitsweise voraussetzt. Die Formate reduzieren sich drastisch bis etwa 1/10 von denen ihrer Grossleinwände. Auch die Bildträger sind andere – statt des weichen Baumwollstoffes kommt hier Spiegelglas oder Aluminium zum Einsatz. Doch Wichtiges bleibt erhalten – die Linien, die subtil oder aber offensichtlich zu Tage treten. Und unverändert ist auch die Bildsprache der Fotografie, die in ihrer Reduktion anknüpft an die Sprache der Malerei.

Dr. Bettina Richter, Kunsthistorikerin / Lisa Rossbach, vernissage-atelier de

Yvonne Huggenberger is born in Zurich in 1953.
She completed her training at the "Schule für Gestaltung", today "Zurich University of the Arts" (ZhdK).
She has worked freelance since 1990, concentrating on paintings, installations and lately photography.
In her works, it is invariably white that determines the use of colours, but never the withe. Alongside the white there may be a bluish gleam or a pink tinge. Yet, even if in some parts of a painting colours are present, it is only just a hint of colour. Ever since 2000 the artist has experimented successfully with the non-colour white, a "colour" discernible by contrast only.
The variations in shapes as well as in shades of white are a constant but inconspicuous feature of Huggenberger`s paintings – a feature reflecting her overall approach determined by reticence, restraint, and tranquility. Huggenberger`s works are self-contained. A group of works entitled
"i segni dell`inverno" are a case in point as these works seem completely separated from and unperturbed by the world around them. Content and extra-pictorial rules no longer matter and, as a consequence, viewers have to rely mainly on their sense of sight. It is through restrained representation and the concomitant differenciation of the perceptive stimuli that the artist aims at sharpening the viewer`s sensory perception.

Textübersetzung von Nana Hanhart aus der Sonderausgabe (Nomination 2012) www.vernissage-atelier.de

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